Ashkelon 2013 – Israel-Reise des Bezirks Pankow

Ein Reisebericht von Fabian Weißbarth

Mit seinen 129.000 Einwohnern kann sich die Küstenstadt Ashkelon mittlerweile mit den ganz Großen in Israel messen lassen. Die Nähe zum von der Hamas regierten Gaza und dem wachsenden Raketenterror tuen dem Wachstum Ashkelons bislang keinen Abbruch. Im Gegenteil: In den letzten 10 Jahren zog es mehr als 40.000 Einwohner hierher. Am Mittelmeer gelegen, erfreut sich die Stadt gerade bei jungen Familien höchster Beliebtheit. Die Anzahl an jungen Paaren ist Israelweit hier am größten. Steigende Miet- und Eigentumspreise im Rest des Landes beschleunigen diese Entwicklung.

Von dem wachsenden Potential Ashkelons, konnten sich Anfang Mai eine Delegation des Pankower Bürgermeisters Matthias Köhne überzeugen lassen. Seit 1997 besteht zwischen Weißensee und Ashkelon eine offizielle Städtepartnerschaft, die noch immer Bestand hält. In den vergangenen Jahren hat es mehrfach Besuche gegeben. Vor zwei Jahren gründete sich der Freundeskreis Pankow-Ashkelon e.V., um die Städtepartnerschaft dauerhaft zu fördern. Erst im November vergangenen Jahres trafen sich Vertreter des Weißenseer Freizeithauses mit dem örtlichen Katznelson Community Center und konnten dabei auf frühere Kontakte aufbauen. Hatten es frühere Delegationsbesuche schwer, einen dauerhaften Austausch verschiedener Akteure zu ermöglichen, markiert die jüngste Delegationsreise nun hoffentlich einen Wendepunkt auf dem Weg zu einer tragfähigen und zukunftsfähigen Städtepartnerschaft. Insbesondere für den Bereich Jugend, Schule und Kunst erhoffen wir dabei Chancen und haben hierfür die Israelweit einmalige Jugendkunstschule und erneut das Katznelson Community Center besucht.


Neben Vertretern aller in der BVV vertretenden Fraktionen begleiteten uns auch Christian Badel von der Jugendkunstschule Pankow, der sich umgehend am ersten Tag unseres Besuchs über ein Gespräch mit Zipi Golan, der engagierten Direktorin dieser Ankunft-Modellschule, freuen konnte. Schüler im Alter von 6–18 Jahren lernen und arbeiten gemeinsam auf dem kleinen Campus in den Bereichen Kunst, Musik und Tanz. Das Gebäude wurde zum Teil von der bekannten israelischen Künstlerin Ilana Schofir, den früheren Ashkelon-Besuchern bekannt, mit Mosaiken gestaltet und bietet Raum für die verschiedenen Bedürfnisse der Kinder, die neben ihrer speziellen Arbeit an Skulpturen oder beim Ballett, wie die meisten israelischen Schüler auch, gleichsam für Mathematik und Hebräisch büffeln müssen.

Die Schüler kommen selbst aus den unterschiedlichsten Nachbarschaften der Stadt. Ein festgelegter Schlüssel sichert die soziale Durchmischung und soll zugleich sozialen Aufstieg ermöglichen. Absolventen der Schule schafften es in der Vergangenheit nach oben. Allein vier Alumni studieren an der Kunstschule Weißensee. Ein Lehrer der Schule pflegt selbst beste Kontakte nach Pankow und pendelt regelmäßig zwischen Ashkelon und Berlin.


Ashkelon ist zwar eine noch sehr junge Stadt, die noch im Aufbau scheint und noch lange nicht fertig ist. Doch ist die Stadt selbst 5.000 Jahre alt. Im Jahr 1300 wurde der Kern der früheren Küstenmetropole zerstört. Im selben Zeitraum übrigens wurde Pankow gegründet, die Stadturkunde weist das Jahr 1250 auf.

Vom Versuch der Stadtverwaltung, das historische Erbe zu wahren und für die Zukunft der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, berichtete uns der Historiker Gad Sobol. Die Stadtverwaltung sieht hierin eine wesentliche Chance, Ashkelon für Touristen attraktiver zu machen. Die Baumaßnahmen am Mittelmeer-Strand zeugen von dieser Hoffnung. Das Klima ist mild, der Strand fast noch unberührt, der Yachthafen idyllisch. Doch wenige Wochen nach dem Ashkelon-Besuch wurde die Umgebung der Stadt mit vier Raketen aus dem benachbarten Gaza-Streifen beschossen.


Die Vertreter der Stadt und Bürgermeister Benny Vaknun empfingen die Delegation auch am Rande der »offiziellen« Programmpunkte mit besonderer Herzlichkeit. Der Pankower Bürgermeister lud seinen Ashkeloner Amtskollegen für das kommende Jahr zu einem Gegenbesuch nach Berlin ein, um das zwanzigjährige Bestehen der Städtepartnerschaft zu feiern.

Im Rathaus von Tel Aviv wurde die Pankower Delegation von Vize-Bürgermeister Asaf Zamir und von den Direktorinnen für Internationale Beziehungen sowie Bildung, Kultur und Sport empfangen. Wesentlicher Gesprächsinhalt war der Jugendaustausch zwischen Pankow und Tel Aviv. Dieser zählt sowohl in Deutschland als auch in Israel zu den kontinuierlichsten und erfolgreichsten seiner Art. Vertieft werden konnten die Kontakte zwischen den Basketball-Jugendabteilungen von Alba Berlin, die ihren Sitz im Jahnsportpark in Prenzlauer Berg hat, und von Maccabi Tel Aviv.

In Jerusalem besuchte die Pankower Delegation zunächst die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Anschließend traf sie Vertreter der Jerusalemer Stadtverwaltung und die Direktorin des Künstlerprojektes HomeBase, Anat Litwin, um sich über die nächsten Vorhaben von HomeBase zu informieren. HomeBase ist ein internationales Künstlerprojekt, das in New York gegründet wurde und seit 2010 seinen Sitz in Pankow hat.

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